Gefahreneinschätzung in der Selbstverteidigung

Gefahreneinschätzung in der Selbstverteidigung

Beim Thema Selbstverteidigung kommt es immer wieder zu Situationen, die falsch eingeschätzt werde. Hierzu einmal eine Übersicht mit den drei wichtigsten und am häufigsten unterschätzten Dingen.

1. Einstufung der Gefahrensituation

Wie gefährlich eine Situation wirklich ist, wird oftmals unterschätzt und kann zu schwerwiegenden Folgen führen. Allerdings gibt es meistens einige Indikatoren, die helfen können, die Situation besser einzuschätzen. Wenn einem etwas komisch oder verdächtig vorkommt, ist es wichtig, auf seine Intuition zu hören. Die folgenden Punkte dienen dabei als Orientierung:

  • Verhaltensauffälligkeiten wie intensives Beobachten, Lauern oder übertriebene Hilfsbereitschaft
  • Ungewöhnliche, unangemessene Kleidung
  • Auffällige oder aufdringliche Körpersprache
  • Scheinbare Waffenhaltung, wie Abdrücke an der Kleidung
  • Verlassene Orte oder plötzlich schwindende Menschenmengen

Durch vorausschauendes Verhalten können solche Dinge bereits aus einer gewissen Distanz wahrgenommen werden. Dadurch kann häufig verhindert werden, dass man selbst überhaupt zu einem möglichen Angriffsziel wird.

Sollten einem also bereits kleine Dinge verdächtig vorkommen, ist es ratsam auf dieses Bauchgefühl zu hören. Es gilt die Situation einzuschätzen und zu bewerten inwieweit man sein Verhalten an die Gegebenheiten anpassen sollte.

2. Kriminelle Bereitschaft des Gegenübers

Es ist häufig sehr schwer einzuschätzen, wie viel kriminelle Energie in einer Person steckt und wie viel sie bereit ist zu nutzen. Das klassische Bild von Schlägertypen, Räubern oder Straftätern ist in der Regel nicht zu 100% zutreffend. Es liegt aber in der Natur des Menschen, sich einen ersten Eindruck von einer Person zu machen und darauf basierend die Situation einzuschätzen. Dadurch können Gefahren und bedrohliche Menschengruppen oftmals schneller erkannt und demnach gehandelt werden.

Dennoch bietet der bloße erste Eindruck keine präzise Einschätzung über die kriminelle Bereitschaft des Gegenübers. Durch fehlende Erfahrung oder scheinbar harmlos wirkende Menschen, die nicht in das typische Bild eines Angreifers passen, wird die Gefahr unterschätzt.

3. Stärke und Kampfbereitschaft des Gegenübers

Eine Einschätzung der Kampfstärke und technischen Fähigkeiten aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes zu treffen ist sehr riskant. Meist sagt die Statur oder Körperhaltung wenig über die Fähigkeiten oder das Vorhaben des Angreifers aus.

Beispielsweise kann ein zierlicher und schwach wirkender Mensch eine enorme Angriffsstärke entwickeln, die im Kampf sehr gefährlich sein kann. Im Gegenzug kann auch ein großer und scheinbar starker Mensch gegenüber einer mit Messer bewaffneten Person hilflos sein. Ebenso sagt die Kleidung nichts über das Potenzial eines Angreifers aus und sollte nicht als einziges Indiz zur Einschätzung genutzt werden. Es gibt gefährliche Räuber in Anzügen, genauso wie es vollkommen harmlose Jogginghosen-Träger mit lauter Musik auf der Straße gibt.

Als Faustformel kann man sich also besser merken: „Wenn sich eine Person kriminell verhält, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch kriminell ist, unabhängig davon wie sie aussieht.“

Tipp!

Grundsätzlich sollte also die eigene Wachsamkeit gegenüber der Umgebung und den Menschen in keinem Fall nachlassen. Die Ausstrahlung und das Aussehen einer Person sagen nicht viel über ihr Potenzial als Angreifer aus. Ebenso wenig sollten die Kampfbereitschaft und die körperlichen Fähigkeiten des Gegenübers unterschätzt werden. Jeder Fremde, der sich stark auffällig oder kriminell verhält, muss als potenziell gefährlich eingestuft werden.