Gewaltprävention: Vermeide die Auseinandersetzung

Gewaltprävention: Vermeide die Auseinandersetzung

Ein erfahrener Selbstverteidigungskünstler wird euch immer sagen, dass sein bester Kampf der ist, den er nicht kämpfen musste. Klingt komisch? Ist aber völlig richtig! Einen großen Teil der Selbstverteidigung nehmen die Techniken zur Gewaltprävention ein. Bei einem angefangenen Kampf besteht nämlich immer die Möglichkeit, dass dein Gegner dich oder andere verletzt und du somit verlierst. Davon abgesehen ist Selbstverteidigung nicht dazu gedacht, sich selbst zu beweisen, sondern nur in absoluten Notsituationen reagieren zu können.

Schritt für Schritt

Bevor es dazu kommt, passiert bei Kampfsportlern eine ganze Menge. Von Anfang an lernen sie, ihre Umgebung aufmerksam und achtsam wahrzunehmen. Fällt ihnen eine potenzielle Gefahrenquelle auf, behalten sie diese im Auge und bewerten ihr Konfliktpotenzial. So können sie bereits vor Ausbruch entweder einen Rücktritt angehen oder, wenn es nicht anders geht, bereits Strategien zur Verteidigung im Hinterkopf halten und sich vorzubereiten. Dabei geht es vorerst nicht um die körperliche Verteidigung, sondern um Maßnahmen zur Deeskalation. Das bedeutet, ruhig, bestimmt und selbstsicher aufzutreten, oder provozierend zu wirken. Kampfkünstler arbeiten im Training auch an ihrer Ausstrahlung und ihrem Auftreten, sodass sie genau wissen, wie sie auf andere wirken. Sie lassen sich nicht von einer aufgeheizten Stimmung anstecken und können so Anwesende wieder abkühlen. Erst wenn all dies nichts gebracht hat und es keine reelle Chance gibt, sich von der Szene zu entfernen, und der Gegenüber Anzeichen auf einen bevorstehenden Angriff zeigt, wird sich physisch verteidigt. Jetzt geht es um die eigene körperliche Unversehrtheit, die es zu schützen gilt.

Was passieren kann

Auch, wenn wir uns sicher sind, einen Kampf gewinnen zu können und Deeskalationsmaßnahmen vielleicht ein einer ersten Einschätzung überhaupt nicht nötig erscheinen, gibt es viele verschiedene Konsequenzen, die daraus folgen können. Eine Konsequenz könnte natürlich die überraschende Kraft deines Gegners sein, sodass du und deine Mitmenschen Schmerzen erleiden, die eigentlich hätten vermieden werden können. Auch Besitztümer können dabei zu Schaden kommen, die wir vielleicht nicht ersetzt kriegen. Zeugen können die Situation falsch deuten, sodass am Ende du als der Schuldige erscheinst und nicht nur auf den Gerichtskosten sitzen bleibst, sondern auch vorbestraft bist – das kann dich vor allem im beruflichen Leben immer wieder verfolgen und ausbremsen. Außerdem könnte es zu Racheaktionen in der Zukunft kommen, auf die man vielleicht nicht so gut vorbereit ist und der Sieg einem dann nicht sicher ist. Im Übrigens stehen die wenigsten Menschen auf Proleten und Schlägertypen, falls so etwas die Runde macht und sich rumspricht.

Der Ton macht die Musik

Das klingt erneut nicht passend, bewährt sich in der Realität allerdings jedes Mal aufs Neue. Wer freundlich und höflich bleibt, bekommt meistens die gleiche Attitüde entgegengebracht. Deshalb spielt auch der respektvolle Umgang untereinander in der Kampfkunst eine große Rolle, denn so kommt mancher Ärger gar nicht erst auf. „Der Ton macht die Musik“ bedeutet auch „Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg‘ auch keinem Ander’n zu“. Auch das trägt deutlich zur Entschärfung einer brisanten Lage bei.

Orte als Deeskalation

Nachts in der Diskothek eskalieren Situationen um einiges schneller als tagsüber im Einkaufszentrum, da hier die „perfekten“ Bedingungen herrschen: niedrige Hemmschwelle durch den Alkohol, viele Menschen auf kleinstem Raum und eine aufgeheizte Stimmung. Dieses Muster lässt sich ebenfalls gut auf Fußballspiele, Kneipenabende und vieles mehr übertragen. Das heißt nicht, dass solche Orte gänzlich gemieden werden müssen, sondern dass sie eine höhere Aufmerksamkeit und Konzentration erfordert, um frühzeitig einwirken zu können.

Mit „perfekten“ Orten meinen wir gleichzeitig auch jene, die für Täter die optimalen Bedingungen bieten. Die Täter möchten gewinnen, um ihr Machtgefühl zu erhalten. Um dies zu garantieren, brauchen sie bestenfalls eine relativ einsame, leere Stelle im Dunkeln, sodass sie keine Aufmerksamkeit von potenziellen Helfern erregen. In diesem Fall ist es tatsächlich besser, solche Orte zu meiden (bspw. abgeschiedene Gassen etc.), denn dort kann einem in einer Gefahrensituation vielleicht wirklich niemand helfen, sollte es nötig sein. Manchmal muss Gewalt auch verhindert werden, indem ihr lauthals schreit und andere um Hilfe bittet.